Liebe Freunde der gepflegten Sprache,
nach längerer Abstinenz soll es heute um den Sprachgebrauch anhand von ein paar Beispielen gehen. Mit dem passenden Gebrauch kann man schnell Freunde gewinnen oder aber ungewollt Menschen bitterböse beleidigen.
Wenn das gesprochene Wort aber nicht zu den eigenen Handlungen passt, kann man sich die Worte in der Regel auch gleich sparen. Das sieht man schon sehr schön, wenn man Kindern Benimmregeln bei Tisch beibringen möchte und diese einen korrigieren, weil man sich selbst nicht daran gehalten hat.
Wenn der Lehrer sagen würde: „Martin, bist du du dumm, dass du deine Hausaufgaben nie machst?“, würdigt er Martin in Person als dumm herab.
Wenn er hingegen sagt: „Martin, es ist dumm von dir, deine Hausaufgaben nie zu machen!“, ist auf einmal nicht mehr Martin dumm, sondern seine Handlung. Wenn wir beide Aussagen auf uns wirken lassen, würde ich zum Beispiel in Martins Fall auch mehr blockieren bei der Aussage über meine Person im Sinne von „jetzt mache ich die Hausaufgaben erst recht nicht mehr“. Eine „dumme“ Handlung würde ich aber z.B. viel eher abstellen wollen. Es wäre auch deutlich schwieriger die Eigenschaft „dumm“ abzulegen.
Ein weiteres Beispiel eher aus der Gerichtssprache ist „glaubhaft“ und „glaubwürdig“.
Die Aussage eines Menschen ist glaubhaft. Er ist aber als Person glaubwürdig. So ist ein Mensch selten insgesamt unglaubwürdig, obwohl viele Aussagen von ihm unglaubhaft sein können.
Reden wir noch kurz über Entschuldigungen. Diese gibt es in vielen unterschiedlichen Abstufungen und die unpassende Wahl kann sie größer oder kleiner machen. Hier einige Beispiele:
Sorry, ich bin 5 Minuten zu spät, passt ganz gut. Entschuldige bitte vielmals, dass ich 5 Minuten zu spät bin, ist dann wieder übertrieben. Bei „Entschuldigung“ muss ich immer an den Film „Contra“ denken, dass man sich nicht selbst entschuldigen kann, sondern nur darum bitten kann.
Es tut mir leid, dass ich die Präsentation vergessen habe, hebt dann wiederum die eigenen Gefühle hervor, man leide unter seinem Fehlverhalten.
Verstärken kann man natürlich mit Kombinationen: „Entschuldige bitte vielmals, es tut mir sehr leid“. Oder sogar: „Entschuldige bitte vielmals, ich bedaure mein Verhalten zutiefst und bitte inständig um Verzeihung“.
Ich hoffe, ich konnte euch etwas Erhellendes mitgeben,
Euer Frank
